Dein Körper ist kein Optimierungs-Projekt
- 15. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Mein Pilates ist für Dich. Nicht für die Anderen
Wir leben in einer Welt, in der unsere Körper ständig als Baustelle betrachtet werden. Zu weich. Zu dick. Zu unbeweglich. Zu schwach. Irgendetwas scheint immer optimiert werden zu müssen. Kaum eine Branche lebt so sehr von dieser Idee wie die Fitnessindustrie. Und ich weiß, dass ich als Pilatestrainerin Teil dieser Branche bin. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, mich davon abzugrenzen.
In meinem Umfeld (insbesondere auf Social Media) begegnen mir Versprechen vom "Pilates Body", flachen Bäuchen, schlanken Beinen oder der perfekten Sommerfigur. Bewegung wird verkauft wie ein Optimierungsprogramm. Als müssten wir unseren Körper erst verändern, bevor wir ihn mögen dürfen.
Und das macht mich wütend. Denn mit der Philosophie von Pilates hat das nichts zu tun. Für mich beginnt Bewegung nicht mit Ablehnung des eigenen Körpers, sondern mit Neugier und dem Wunsch, ihn besser kennenzulernen und sich wieder mit ihm zu verbinden.
Mein Pilates ist ein feministischer Akt
Ja, ich meine das tatsächlich so.
Nicht, weil in meinen Kursen politische Parolen geschwungen werden. Und auch nicht, weil Männer ausgeschlossen wären. Ganz im Gegenteil. Ich nenne mein Pilates feministisch, weil ich mich weigere, meinen Unterricht auf dieselben Schönheitsideale aufzubauen, die viele Menschen überhaupt erst dazu bringen, Sport zu machen.
Die Fitnessindustrie verkauft häufig die Vorstellung, dass unser Körper niemals gut genug ist. Dass wir disziplinierter sein müssten. Schlanker. Straffer. Leistungsfähiger. Der Fokus liegt auf Leistung und nicht auf Verbindung zum eigenen Körper. Statt zu fragen, "Wie sehe ich aus?", frage ich lieber: "Wie fühle ich mich eigentlich?"
In meinen Stunden bewegen wir uns achtsam. Wir beobachten unseren Körper, ohne ihn zu bewerten. Und diese Beobachtung dient allein dem Zweck, ein Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln.
Ich glaube nämlich, dass wir besser für uns sorgen können, wenn wir unserem Körper wieder zuhören. Ob wir müde sind. Ob wir eine Pause brauchen. Ob uns eine Bewegung guttut oder eben nicht. Wer ständig damit beschäftigt ist, seinen Körper von außen zu bewerten, verliert oft den Kontakt dazu, wie er sich von innen anfühlt.
Dabei interessiert es mich nicht, ob jemand in meine Stunde kommt, weil die Hose kneift. Mich interessiert, wie diese Person den Raum wieder verlässt. Aufrechter. Kräftiger und hoffentlich mit etwas mehr Vertrauen in den eigenen Körper. Denn genau darin liegt für mich die eigentliche Stärke von Pilates.
Joseph Pilates wollte keine perfekten Körper erschaffen
Was heute häufig unter dem Namen Pilates verkauft wird, hat mit der ursprünglichen Idee erstaunlich wenig gemeinsam. Joseph Hubertus Pilates entwickelte seine Methode bereits in den 1920er Jahren und gab ihr den Namen Contrology.

Seine Methode beschrieb er als
"The complete coordination of body, mind and spirit.“
Er verstand Pilates als die bewusste Kontrolle des Körpers durch Konzentration, Atmung und präzise Bewegung. In seinem Buch Return to Life Through Contrology schreibt Pilates immer wieder darüber, dass Gesundheit nicht durch extreme Belastung entsteht, sondern durch eine intelligente, ausgewogene Bewegung des gesamten Körpers.
Sein Ziel war nie der sogenannte "Pilates Body", den heute so viele Werbeanzeigen versprechen. Ihm ging es darum, Menschen beweglicher, kräftiger und widerstandsfähiger für ihren Alltag zu machen.
Denn ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sehr mich seine Worte damals abgeholt haben. Ich habe Sport nie besonders gemocht. Nicht, weil ich faul war. Sondern weil ich ständig das Gefühl hatte, Sport sei dazu da, mich zu optimieren. Sport war nie etwas FÜR mich, sondern hat sich immer als etwas GEGEN mich angefühlt.
Bei Pilates war das plötzlich anders. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mich eine Sportart genau dort abholte wo ich war. Das liegt auch daran, dass sich jede Übung individuell an den jeweiligen Menschen anpassen lässt.
Und genau deshalb unterrichte ich bis heute nach der klassischen Methode.
Die schönsten Momente passieren nach dem Unterricht
Nach inzwischen vielen Jahren als Pilates-Trainerin sind es nicht die perfekt ausgeführten Übungen, die mir in Erinnerung bleiben. Es sind die Gespräche danach. Wenn Teilnehmende auf mich zu kommen und sagen:
"Ich habe mich in meinem Speckröllchen-Körper noch nie so wohl gefühlt wie jetzt. Ich spüre, wie kräftig ich geworden bin und bekomme das auch von anderen gesagt.“
Solche Sätze bedeuten mir unglaublich viel. Nicht, weil jemand besonders fit geworden ist. Sondern weil sich die Beziehung zum eigenen Körper verändert hat. Und das ist meine größte Motivation.
Bewegung soll sich gut anfühlen
Das Wort Bewegung bedeutete ursprünglich so viel wie „aus dem Zustand der Ruhe bringen“. Ich mag diesen Gedanken sehr. Denn Bewegung muss gar nicht spektakulär sein. Sie beginnt nicht erst mit einem Marathon. Nicht beim perfekten Workout und auch nicht beim hundertsten Squat. Sie beginnt in dem Moment, in dem wir unseren Körper aus der Ruhe holen und ihm Aufmerksamkeit schenken.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen meinem Unterricht und vielen Fitnesskursen. Ich möchte nicht, dass du gegen deinen Körper arbeitest. Ich möchte, dass du mit ihm arbeitest. Dass du verstehst, warum eine Bewegung funktioniert. Dass du deine Haltung spürst. Dass du kräftiger wirst. Dass dein Rücken sich besser anfühlt. Bewusster atmest.
Und dass du irgendwann merkst, wie selbstverständlich du im Alltag Dinge tust, die dir früher schwergefallen sind. Nicht, weil dein Körper perfekt geworden ist.
Sondern weil ihr wieder angefangen habt, miteinander zu arbeiten.
Wenn du Lust hast…
Wenn dich meine Art zu unterrichten anspricht und du Pilates einmal ohne Leistungsdruck kennenlernen möchtest, freue ich mich, dich in einem meiner Kurse begrüßen zu dürfen.
Ich unterrichte seit vielen Jahren klassisches Pilates nach der Methode von Joseph Pilates – sowohl in Präsenz als auch online. Ganz egal, ob du gerade erst anfängst oder schon Erfahrung mitbringst: Mein Unterricht richtet sich nach dem Menschen und nicht nach einem Idealbild.
Alle aktuellen Gruppenkurse findest du auf meiner Pilates-Seite. Dort sind sowohl meine Online-Kurse als auch die Präsenzkurse an der VHS Lichtenberg aufgelistet.
Wenn du lieber individuell trainieren möchtest oder ganz gezielt an bestimmten Themen arbeiten möchtest, kannst du außerdem Online-Einzelstunden bei mir buchen.
Dein Körper kein Projekt ist, sondern der Ausgangspunkt für mehr Kraft, Beweglichkeit und Vertrauen in dich selbst. Vielleicht ist genau das die schönste Form von Fortschritt. Nicht jemand anderes zu werden, sondern sich selbst wieder näher zu kommen.
Ich freu mich auf Dich!
Quellen
Joseph H. Pilates & William J. Miller (1945). Return to Life Through Contrology.
Joseph H. Pilates (1934). Your Health.
Brooke Siler (2000). The Pilates Body.
Pilates Method Alliance – https://www.pilatesmethodalliance.org
Mary Bowen – Pilates Legacy Project – https://pilateslegacyproject.org













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