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Hundsfott – Warum Sprache unseren Blick auf Frauen prägt

  • 10. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Neulich bin ich über ein Wort gestolpert, das ich schon noch nie gehört hatte: Hundsfott.

Also hab ich recherchiert und herausfeunden, dass es sich dabei um ein Schimpfwort handelt. Ein sehr altmodisches Schimpfwort mit einer größeren Geschichte dahinter. Eine Geschichte darüber, wie Sprache unsere Wahrnehmung formt. Wie Frauen über Jahrhunderte beschrieben wurden. Und warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen und hinzuhören.


Was bedeutet Hundsfott eigentlich?

Der Begriff Hundsfott stammt ursprünglich aus dem Mittelhochdeutschen. Das Wort Fot oder Fotte bezeichnete die weiblichen Genitalien. Der erste Teil – Hund – diente dabei als abwertende Verstärkung. Wörtlich übersetzt bedeutet Hundsfott also sinngemäß:

„Hundevulva“ oder „Hündinnen-Geschlecht“.

Es wird verwendet, um eine Person als feige, niederträchtig, unehrlich oder gemein zu bezeichnen. Heute kennt dessen ursprüngliche Bedeutung wahrscheinlich kaum jemand. Auch, weil die Hundsfott es nicht in den allgemeinen Spachgebrauch geschafft hat.


Ich persönlich finde es spannend, welche Vorstellungen in solchen Begriffen ursprünglich steckten und in diesem besonderen Fall besonders. Denn warum wurde ausgerechnet die Vulva zu einer Beleidigung für charakterlich schwache oder niederträchtige Menschen?



Sprache ist niemals neutral

Unser Blick auf Frauen entsteht nicht zufällig. Er wird geprägt. Durch Bilder und Geschichten.

Und eben auch durch Sprache. Wörter transportieren Vorstellungen darüber, was wertvoll ist, was normal erscheint und was als beschämend gilt. Oft merken wir gar nicht mehr, wie tief diese Bilder in unserem Denken verankert sind.


Warum gerade weibliche Körper?

Das ist kein Zufall, dass viele historische Schimpfwörter auf weibliche Körper oder Sexualität Bezug nehmen. Nicht nur im Deutschen. Auch in vielen anderen Sprachen werden weibliche Geschlechtsorgane verwendet, um Menschen abzuwerten. Dabei geht es selten um Anatomie sondern immer um Macht. Denn wer bestimmt, welche Körperteile als schmutzig, peinlich oder beleidigend gelten, bestimmt oft auch, wie wir über diese Körper(teile) denken.


Sprache erschafft Wirklichkeit

Sprache wirkt oft unbemerkt. Oft kennen wir die wahre Bedeutung von Worte, die wir benutzen, gar nicht. Und unterschätzen deshalb die Wirkung dieser.


Aber Sprache beeinflusst, welche Bilder wir im Kopf haben. Sie formuliert Realität und Denkmuster. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das bekannte "Arzt-Rätsel": "Ein Vater und sein Sohn verunglücken; der Vater stirbt. Im Krankenhaus sagt der Arzt: "Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!". Die Lösung: Der Arzt ist die Mutter des Jungen.


Deshalb lohnt es sich, Sprache nicht nur auf ihre heutige Bedeutung zu reduzieren, sondern auch ihre Geschichte zu kennen. Nicht, um jedes Wort aus unserem Wortschatz zu verbannen. Sondern um bewusster entscheiden zu können, welche Sprache wir verwenden möchten.



Was das mit meiner Kunst zu tun hat

Wenn ich Vulven male, geht es mir nicht darum, zu provozieren. Ich möchte einen Körperteil sichtbar machen, der über Jahrhunderte gleichzeitig tabuisiert, sexualisiert und sprachlich abgewertet wurde.

Wenn wir beginnen, Dinge anders zu benennen, kann Veränderung stattfinden und Geschichten neu oder anders erzählt werden.


Wenn dich interessiert, wie nicht nur Sprache, sondern auch Kunst unseren Blick auf Frauen geprägt hat, findest du hier meinen Artikel über den Male Gaze und Velázquez' „Venus mit Spiegel“.



FUN FACT: Wolfgang Kubiki hatte erst kürzlich (2026) in einem Podcast Lars Klingbeil als Hundsfott bezeichnet.



Quellen

  • Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (Eintrag „Hundsfott“)

  • Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache

  • Duden Herkunftswörterbuch


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